In diesem Beitrag geht es um das Gebetswochenende zusammen mit unserer „Muttergemeinde“ FEG Nord in den Räumen am Röbekamp in Dünne. Dabei geht es mir nicht um einen objektiven Bericht, sondern ich erzähle von meinen persönlichen Erfahrungen in der Nacht vom 14. auf den 15. November 2020.

Ich hatte mich für Sonntagnacht von drei bis fünf Uhr eingetragen. Mit Gott war ich im Gespräch, soll ich mitmachen und wenn ja, zu welcher Uhrzeit. Es ergab sich, dass dann diese Zeit übrigblieb im Kalender und ich eine Bestätigung dazu in mir fühlte. Mutig trug ich mich ein. Als ich dann tatsächlich mitten in der Nacht losfuhr, war ich sehr müde und ich fühlte plötzlich auch Angst, dort ganz allein zu sein. Ich betete während der Fahrt. Als ich ankam, fühlte ich wieder Sicherheit und als ich den Raum betrat, fiel auch alle Müdigkeit von mir ab.

Raum schaffen

Der Raum war liebevoll gestaltet. Es gab eine gemütliche Ecke mit Decken und Kissen, gedimmtes Licht und viele Teelichter und im Zentrum stand ein Holzkreuz. Es war fast so groß wie ich. Eine Dornenkrone „schmückte“ es ebenso wie ein cremefarbenes großes Tuch. Ich erfuhr später beim Lesen der Informationen, die auf einem kleinen Tisch ausgelegt waren, dass sie sinnbildlich waren für Jesu‘ Tücher, die er im Grab zurückließ und man sich zum Beispiel darin einhüllen konnte. Vor dem Kreuz standen zwei Sessel. Von der anderen Seite bestand die Möglichkeit, sich auf einem Knieschemel zu knien. Mein Favorit war dieser Platz am Kreuz. Ich kniete fast die gesamte Gebetszeit dort. Ich „brachte“ mich vor IHN, indem ich mich fest in das Tuch hüllte und niederkniete. „Jesus, ich möchte dich spüren.“ flüsterte ich. „Rieke [mein Spitzname], ich segne dich.“ hörte ich. Das berührte mich tief und ich ging mit ihm ins Gespräch.

Los geht’s

„Jesus, ich lege dir alles, was mein Leben gerade belastet, hin. Ich danke dir für alles, was gut ist und für deinen Schutz in 51 Jahren. Für meinen Papa danke ich auch, der heute seinen Todestag hat. Für die Stadt Bünde und Stadtgebiete bete ich ebenso wie für ‚Stadtlicht‘, damit wir leuchten. Ich bitte dich für Berater in unserer Regierung. Für Menschen, die in Dialog gehen mit Menschengruppen, die sich nicht gesehen fühlen, auf der ganzen Welt. Ich bete für Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, dass du ihre Herzen erweichst. Ich binde das Böse in Jesu Namen. Jetzt.

Ich gebe dir meinen Schmerz über nicht-gesehen-worden-sein. Heile diese Wunde. “ Ich spürte, dass etwas geschah. Transformation. Dann schaute ich in die Kerze vor mir auf dem Boden. „Mach‘ aus dem ganzen Müll in meinem Leben das Beste meines Lebens. Lass S. spüren, dass hier gebetet wird, weil sie davon weiß und lass sie spüren, dass sie auch nicht vergessen ist. Ich bitte für ihren Gerichtstermin, den Nachbarschaftskonflikt und ihre Wunden. Berühre sie und zeige mir, wie ich ihr Herz erreichen kann.

Segne meine Kinder und Schwiegerkinder. Segne mein erstes Enkelkind und meine Beziehung zu ihr. Für die Heilung der Beziehung zu meiner Mutter bitte ich noch einmal. Ich möchte das Gute sehen in meinem Partner. Alle Abwertung hat dann keinen Platz mehr. Lass mich ihn immer mehr mit deinen Augen sehen und ihn in seine Berufung und Identität hineinlieben.“

Ich schaute in die Flamme der Kerze vor mir auf dem Boden. Licht! Flamme, du wirst hin und her bewegt, aber du gehst nicht aus. Du vertreibst jede Dunkelheit. Dann hörte ich in mir immer wieder diesen Satz: Du bist mein geliebtes Kind. Du bist mein geliebtes Kind. ….

Ich spürte, ich möchte nirgendwo anders sein. Ich konnte gar nicht genug bekommen vom einfach-nur-sein. Niemand zeigte mir, wie das geht. Gott selbst hat mich an diesen Punkt geführt. Ich wusste nicht, dass Gott das möchte. ER musste mich davon überzeugen und mich erst einmal erreichen. Er ist mit mir seit 2018 auf diesem Weg.

Zu guter letzt

Die letzten kostbaren zwanzig Minuten in dieser Nacht nutzte ich für etwas Neues: Power Hour. Davon hatte ich in einer christlichen Zeitschrift gelesen und ich spürte, dass das ein Weg sein könnte, mit Gott auch über die Bibel ins Gespräch zu kommen. Obwohl ich seit meiner Kindheit Christin bin, hatte ich zur Bibel keinen guten Draht. Viel zu oft sah ich einen erhobenen Zeigefinger und spürte richtiggehend Angst, wenn ich Bibelstellen las, die Grausames beschreiben oder über Gottes Gericht berichtet wird. Auch war ich mit dem Gefühl großgeworden, nicht zu ihm kommen dürfen, wenn ich wieder etwas vergeigt hatte. Ich durfte erkennen, dass das eine Lüge ist. Das Gegenteil ist der Fall und dafür ist es gut, die Bibel kennen- und verstehen zu lernen. Mit diesem Wort kann ich mich wehren gegen Lügen. In der Power Hour liest man vier Bibelkapitel. Eins aus dem Alten Testament, eins aus den Psalmen, den Sprüchen und dem Neuen Testament. Man beginnt jeweils vorne. Während des Lesens schreibt man die Passagen heraus, die einen unmittelbar ansprechen. Anschließend schreibt man einen Brief von Gott an sich selbst, in dem ER erläutert, was er mir heute mit den Stellen sagen möchte. Also: Liebe Rieke, ……. dein Papa.

Ich habe vor einigen Monaten begonnen, die Bibel von vorne zu lesen. Nun war ich im Alten Testament bei Jesaja 66 angekommen.In Vers zwei las ich nun: „Ich achte auf die, die gedemütigt worden sind und einen gebrochenen Geist haben und vor meinem Wort zittern.“ Das ergriff mich und ich schrieb es heraus, ebenso wie die Verse zwölf und dreizehn:

„Denn so spricht der Herr: „Schaut, ich werde den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen Fluss nach Jerusalem fließen lassen. Ihre Kinder werden saugen, sie werden auf den Armen getragen und auf den Knien liebkost werden. Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.“

Jesaja 66, 12 und 13

Der Zeiger der großen Wanduhr, die ich gut sehen konnte, wanderte gen fünf Uhr. Meine Zeit war also fast vorüber. So musste ich erst einmal aufhören und ich bat: „Ich hätte gerne noch einen Kuss von dir.“ Sein Geist antwortete: „Komm her, mein Kind, ich will dich liebkosen.“ Ich spürte Wärme, Frieden, Liebe. Bevor ich mich erhob, betete ich: „Papa, zeig‘ mir, wenn in meinem Herzen etwas ist, das da nicht hingehört. Ich will nur dir gehören.“ Ich erhob mich, trank einen Schluck aus meiner Wasserflasche, packte meine Bibel und Schreibutensilien in meinen Rucksack und zog meine Jacke an. Die letztzen Minuten meiner Gebetsnacht verbrachte ich in Zufriedenheit und dem Entzünden erloschener Teelichter.

Um fünf Uhr kam Lutz. Wir tauschten uns kurz aus und ich segnete ihn mit all der Wahrheit, die ich erlebt hatte.

Während der Heimfahrt sehnte ich mich nach meinem Bett und ich schlief knapp drei Stunden. Dann freute ich mich auf meine Kleingruppe (zumindest auf den Corona-konformen Anteil :-)) und war erfüllt von dem Erleben meiner persönlichen Gebetszeit. Ich freue mich auf das nächste Gebetswochenende. Vielleicht bist du dabei!